Bluttest bei Lachmöwen

Anlässlich einer Nestlingskontrolle auf der Brutplattform vor dem Technikum in Rapperswil wurden am 2. Juni 2004 insgesamt 11 Jungvögel eingefangen, vermessen und beringt. Den Jungvögeln wurde bei dieser Gelegenheit zudem etwas Blut entnommen. Das Blut wurde anschliessend im Labor der Vogelwarte auf eine Anzahl Blutbestandteile hin analysiert.

Am Tag zuvor wurden im Kaltbrunner Riet ebenfalls Blutproben von Jungmöwen entnommen. Damit konnten Vergleichsresultate von Jungvögeln gewonnen werden, die in verschiedenen Lebensräumen aufgezogen werden.

Die analysierten Stoffwechselprodukte des Fett- und Eiweissstoffwechsels eignen sich gut, um uns den aktuellen Ernährungszustand der Jungmöwen anzuzeigen. Hohe Blutfettwerte weisen darauf hin, dass die Jungmöwen gefressen haben. Hohe Keton- und Glyzerinwerte bedeuten hingegen, dass sie sich in einem Fastenzustand befinden. Hohe Konzentrationen der Harnsäure, des Endabbauprodukts des Eiweisses, zeigen an, dass entweder Nahrungseiweisse abgebaut werden (die Vögel also kurz vor der Blutentnahme gefressen haben) oder aber, dass körpereigene Eiweisse abgebaut werden, da die Vögel hungern.

Die Blutteste ergaben, dass alle Nestlinge auf der Brutplattform von Rapperswil in einem guten Ernährungszustand waren. Auch die Jungmöwen im Kaltbrunner Riet hungerten gemäss den Resultaten der Blutteste nicht, allerdings schien ihre Nahrung anders zusammengesetzt zu sein als diejenige der Jungmöwen in Rapperswil. Die Rapperswiler Lachmöwen suchen sich ihre Nahrung vorwiegend im See, die Kaltbrunner Lachmöwen dagegen wohl vor allem auf Wiesen im Landwirtschaftsgebiet.

Einschränkend muss angefügt werden, dass nur an einem Tag Blut genommen wurde. Da mit dem Bluttest nur der kurzfristige Ernährungszustand (innerhalb desselben Tages über die letzten Stunden) angegeben werden kann, können die Ergebnisse durch die momentane Nahrungsverfügbarkeit (z. B. wetterbedingt) beeinflusst werden. Aus den vorliegenden Ergebnissen können aber noch keine endgültigen Schlüsse über die Nahrungsbedingungen für die Jungmöwen in Rapperswil gezogen werden, da hierfür zu wenige Daten erhoben wurden.

 

 
Untersuchung einer jungen Lachmöwe bei der Brutplattform am Strandweg durch Martin Spiess und Adrian Baumann von der Vogelwarte Sempach.   Blutentnahme bei der Jungmöwe - eine kleine Portion genügt.

 

 
Feldlabor in idyllischer Umgebung bei der Mensa der Hochschule Rapperswil.   Die Lachmöwen auf der Plattform schauen interessiert auf das nahende Schiff.